Chatprotokoll vom 12.01.2010
 20:00:11  Chat_Moderatorin  Willkommen zum heutigen Expertenchat: "Abschied am Beginn des Lebens - Verarbeitung von Fehlgeburten"! 
 20:00:26  Chat_Moderatorin  Als Expertin begrüße ich Frau Prof. Dr. Anette Kersting. Frau Kersting möchten Sie sich den Chatteilnehmern kurz vorstellen? 
 20:01:17  Anette_Kersting  Mein Name ist Anette Kersting. Ich bin Ärztin und Professorin und leite seit Beginn des Jahres die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig. Seit vielen Jahren besteht einer meiner Behandlungs- und Forschungsschwerpunkte in der Begleitung und Behandlung von Eltern, die ihr Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verloren haben. In Münster, wo ich zuvor an der Universitätsklinik gearbeitet habe, habe ich zusammen mit meiner Arbeitsgruppe verschiedene Behandlungskonzepte entwickelt, um Eltern nach dem Verlust ihres Kindes in der Schwangerschaft zu helfen. 
 20:01:45  Chat_Moderatorin  Herzlichen Dank Frau Kersting. Dann können wir jetzt mit der Beantwortung der Fragen beginnen. 
 20:03:35  Anette_Kersting  
Frage von Mina18: "hallo hatte im oktober 09 eine abtreibung und bin jetzt wieder schwanger, habe angst das kind jetzt zu verlieren ist die wahrscheinlichkeit hoch?"
Antwort: Es gibt sehr viele Frauen, die eine Fehlgeburt erleben, oft kennt man die Ursachen nicht. Nach einer Fehlgeburt muss das Risiko, erneut ein Baby zu verlieren nicht höher sein.
 
 20:06:56  Anette_Kersting  
Frage von Mirilein80: "Guten Abend! Ich habe die Frage, ob der Frauenarzt nach einem medizinisch indiziertem Abbruch verweigern darf das Ultraschallbild herauszugeben bzw nicht mal eine Kopie für mich zu machen?"
Antwort: Das ist eine schwierige Frage, die eigentlich juristisch zu klären ist. Einsicht in die Krankenunterlagen steht Ihnen meines Wissens zu. Ob Ihr Arzt verpflichtet ist, Ihnen die Unterlagen auszuhändigen, kann ich leider nicht genau sagen.
 
 20:09:30  Anette_Kersting  
Frage von Mina18: "ich hatte im oktober09 eine abtreibung, bin jetzt wieder schwanger und habe nun angst das ich das kind verliere oder eine eileiterschwangerschaft habe, oder dass das kind vielleicht krank zur welt kommt"
Antwort: Ihre Angst kann ich gut nachvollziehen, es gibt aber meines Wissens nach keine medizinischen Gründe für Ihre Befürchtungen. Auch wenn Sie sich ja für die Abtreibung entschieden haben, muss man so eine Entscheidung ja dennoch bewältigen. Vielleicht könnte Ihre Sorge auch etwas damit zu tun haben (natürlich möchte ich Ihre Frage aber auch nicht psychologisieren)?
 
 20:12:06  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16879: "Wie soll ich mit dem Verlust umgehen? Ich hatte innerhalb eines Jahres 2 Fehlgeburten und es frisst mich auf..."
Antwort: Eine Fehlgeburt zu verarbeiten ist überhaupt nicht einfach, zwei Fehlgeburten hintereinander sind nachvollziehbar schwer zu bewältigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung: Selbsthilfegruppen, Psychotherapie oder auch eine spezielle Form der Internettherapie, die wir entwickelt haben. Aktuell bieten wir (meine beiden Mitarbeiterinnen und ich) für interessierte Eltern im gesamten Bundesgebiet eine Internettherapie an, die durch das Ministerium für Frauen, Senioren und Jugend gefördert wird. Dadurch entstehen interessierten Teilnehmern keine Behandlungskosten.
Unter www.internettherapie-trauernde-eltern.de können sich interessierte Eltern über das Therapieangebot informieren.

 
 20:15:42  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16874: "Ich hatte am 31.12. einen völligen Blasensprung in der 21. Woche. Unser Sohn hatte keine Chance. Es kam aus heiterem Himmel. Hatte ein anderes ziehen wie sonst an diesem Tag, aber habe an so etwas nicht gedacht. Natürlich mache ich mir jetzt Vorwürfe. Überlege immer woran es lag und nach dem warum?"
Antwort: Ihre Gedanken sind sehr verständlich. Viele Frauen machen sich nach dem Verlust eines Kindes in der Schwangerschaft Gedanken, warum es passiert ist und ob sie es hätten verhindern können. Es ist sehr schwer, mit etwas zurecht zu kommen, wofür wir keine Erklärung haben (z. B. die Gründe für eine vorzeitige Geburt) und das wir nicht beeinflussen können. Dennoch ist dies genau die Situation, mit der viele Eltern nach einer Fehlgeburt konfrontiert werden.
 
 20:17:15  Anette_Kersting  
Frage von : "Hallo ich habe im april 08 und im november 09 jeweils eine fehlgeburt gehabt! Meine frage ist ob es sein kann, dass es an einer chronischen blasenendzündung oder einer nierenerkrankung liegen kann?"
Antwort: Diese Frage sollten Sie bitte lieber Ihrem Gynäkologen stellen, da ich als Ärtzin für Psychosomatische Medizin hier nicht ausreichend kompetent bin.
 
 20:28:57  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16880: "Hallo ich habe am 01.01.10 mein baby verloren. jetzt bin ich ganz schön erschöpft. wie kann ich besser damit klar kommen?"
Antwort: Mit dem Verlust Ihres Babys zurecht zu kommen, ist ein Prozess, zu dem viele Facetten gehören. Bestimmt sind Sie sehr traurig, vielleicht hilft es Ihnen, mit Menschen, die Ihnen nahestehen, über das, was Sie erlebt haben zu sprechen. Oft hat man das Bedürfnis mache Dinge mehrfach zu erzählen, das kann auch dabei helfen, es zu verarbeiten. Manche Frauen möchten die Erinnerung an Ihr Baby erhalten, indem sie sich einen Ort suchen, den sie ihm widmen und den sie aufsuchen können, um dann intensiv an ihr Kind denken zu können. Es gibt viele Möglichkeiten... Aus meiner Sicht ist es aber wichtig, sich darauf einzustellen, dass man einfach Zeit braucht, um mit dieser so schmerzlichen Erfahrung zurecht zu kommen.
 
 20:29:52  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16879: "Ist es wahr, dass man nach einer Fehlgeburt schneller schwanger wird und dass das Risiko einer erneuten FG geringer ist?"
Antwort: Ist mir nicht bekannt und kann ich mir auch nicht vorstellen.
 
 20:31:16  Chat_Moderatorin  Hallo und herzlichen willkommen an alle "neuen" hier! Schön, dass ihr da seid! Eure Fragen könnt ihr im rechten Feld an die Expertin schicken. Auf "fragen" klicken und die Frage wird durchgestellt! 
 20:33:58  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16878: "ich habe heute vor 2 Jahren eine Fehlgeburt erlitten und habe es seitdem nicht geschafft wieder schwanger zu werden, obwohl meine Ärztin meinte alles in Ordnung. Jede Monatsblutung ist wieder Anlass zu Trauer und der Monat ist ein Rennen aus Hoffnung und Trauer. Irgendwelchen Rat?"
Antwort: Kein Rat, wie es klappen könnte, wieder schwanger zu werden. Bei dem, was Sie schreiben, geht es ja um Ihren dringenden und intensiven Wunsch nach einem Baby - und die Tatsache, dass man darauf nur begrenzt Einfluss hat. Für mich klingt es so, als wenn es auch um das Thema geht, was aus Ihrem leben wird, wenn es nicht gelingt, ein Baby zu bekommen. Wie sieht Ihr Leben dann aus? Können Sie auch ohne ein eigenes Kind ein zufriedenes Leben führen? Machmal klappt es auch noch, wenn man sich schon damit abgefunden hat, darauf verzichten zu müssen, manchmal aber auch nicht...
 
 20:37:07  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16874: "Unser Kind war so stark. Selbst als letzte Woche Montag die Nabelschnur schon unten raus schaute schlug sein Herzchen immer noch. dann wurde eingeleitet. Unser Sohn war für die Woche sehr gut entwickelt, keine Fehlbildungen, alles dran. Woran kann es liegen?"
Antwort: Ach, das tut mir sehr leid, es ist wirklich furchtbar, so etwas erleben zu müssen. Leider haben die gynäkologischen Kollegen sehr oft keine Antwort auf Ihre Frage. Und das ist besonders schwer zu ertragen. Wenn wir eine Erklärung haben, können wir oft besser mit dem Verlust zurecht kommen, weil wir uns mit den Ursachen auseinandersetzen können. Oft gibt aber auch die Obduktion keine ausreichenden Antworten.
 
 20:38:58  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16880: "Hallo, ich habe am 01.01.10 mein baby verloren. meine frage: sollte man 3 monate abwarten, bevor man es wieder versucht?"
Antwort: Dies ist auch eine Frage, die Sie bitte mit Ihrem Gynäkologen besprechen sollten. Bitte um Verständnis, dies ist nicht mein Fachgebiet.
 
 20:41:08  Anette_Kersting  
Frage von Mina18: "naja vielleicht als strafe, dass ich es jetzt verliere weil ich erst abgetrieben habe"
Antwort: Das halte ich nicht für wahrscheinlich, wer sollte Sie denn bestrafen? Dass Sie aber noch über den Abbruch nachdenken und vielleicht Schuldgefühle haben, kann ich gut verstehen, das geht vielen Frauen so. Und dann überlegt man auch schon einmal, ob es jetzt vielleicht eine Strafe ist...
 
 20:44:33  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16874: "Ich habe Angst ein weiteres Mal, wenn wir dieses verarbeitet haben, enttäuscht zu weden. Hatte drei Fehlgeburten bereits ganz früh, war nie ein Herzschlag zu sehen, jetzt hat es geklappt und wir hatten Hoffnung, die wieder zerstört wurde. wie kann ich da beim nächsten Mal noch positiv denken"
Antwort: Ich kann mir gut vorstellen, dass jede weitere Fehlgeburt noch schwerer zu bewältigen ist.
Vielleicht ist es sinnvoll, zu überlegen, wie dringend Ihr Kinderwunsch ist und ob Sie noch eine weitere Enttäuschung ertragen können. Es geht ja nicht nur darum positiv zu denken, sondern auch abzuschätzen, was Sie noch bewältigen können.
 
 20:48:47  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16875: "Inwieweit kann Ihre Internettherapie helfen mit dem Verlust besser umzugehen bzw. ihn irgendwie zu verarbeiten. Wo sind Ihre Grenzen?"
Antwort: Erste Ergebnisse aus der Behandlung von über 70 Frauen haben gezeigt, dass die Internettherapie bei der Bewältigung hilft. Die Frauen gaben geringere Trauerwerte an, waren weniger depressiv und hatten auch weniger Ängste und andere, allgemeine psychische und körperliche Symptome. Der Erfolg war auch 3 Monate nach der Therapie noch nachweisbar (eine längere Dauer der Nachuntersuchung steht noch aus, erfolgt aber noch). Die Grenzen bestehen darin, dass wir z. B. Frauen, die unter schweren Depressionen leiden oder auch Suizidgedanken haben, nicht über das Internet behandeln können. Das wäre einfach zu risikoreich. Schwere psychische Erkrankungen stellen also eine Grenze dar.
 
 20:52:12  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16878: "seit meiner Fehlgeburt kann ich so schlecht damit umgehen, wenn andere schwanger sind oder Kleinkinder haben - ich denke nur, warum sie und nicht ich?"
Antwort: Das finde ich sehr verständlich. Wenn man andere Mütter sieht, wird ja die eigene Sehnsucht nach dem Kind sehr lebendig, der dringende Wunsch, selbst ein Baby zu haben - und vielleicht auch etwas Neid. Besonders auch, weil es ja in der Regel keinen akzeptablen Grund gibt, warum die anderen Kinder haben und Sie nicht. Wenn es zu schlimm ist, kann man solche Konfrontationen auch mal eine zeitlang meiden, bis man es wieder besser ertragen kann, andere Mütter und ihre Kinder zu sehen.
 
 20:57:59  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16875: "Gibt es Methoden wie man bei einer erneuten Schwangerschaft mit der Angst vor einem neuen Verlust besser umgehen kann?"
Antwort: Meiner Erfahrung nach kann man dieser Angst nicht entgehen. Eine Möglichkeit kann darin bestehen, sich ihr direkt zu stellen und zu versuchen, sie auszuhalten. Dazu ist es oft hilfreich, wenn man Vertrauenspersonen hat, mit denen man über die Angst sprechen kann.
Manche Mütter bleiben in der Beziehung zu ihrem ungeborenen Kind erst einmal etwas auf Distanz, da sie die Wiederholung des schrecklichen Verlusts fürchten und Angst haben, es nicht aushalten zu können. Das kann auch in Ordnung sein. Wichtig ist ja, dass Sie diese Zeit für sich selbst bestmöglichst bewältigen. Eine generelle Lösung gibt es allerdings nicht.
 
 21:01:22  Anette_Kersting  
Frage von : "Hallo, ich bin 19Jahre alt und habe jetzt meine zweite fehlgeburt. Mein Arzt sagt, dass es ein dummer zufall sei aber ich glaube nicht dran. beide waren in der 7. ssw. Kann es sein, dass mein Körper mit was anderem kämpft?"
Antwort: Leider gibt es keine eindeutige Antwort auf Ihre Frage. Wie schon erwähnt, wissen wir bei vielen Fehlgeburten nichts über die Ursachen. Weil dies nur schwer zu ertragen ist, haben viele Frauen ganz spezifische Hypothesen, wie vielleicht auch Ihre (dass Ihr Körper mit etwas anderem kämpft). Ich kann das nicht ausschließen, finde aber auch keine Hinweise für Ihre Vermutung.
 
 21:02:37  Chat_Moderatorin  Hallo liebe Chatteilnehmer, bitte stellt keine Fragen mehr an die Expertin, da wir (leider) nur noch eine halbe Stunde für den Chat haben und es noch soo viele Fragen gibt. 
 21:04:17  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16875: "Sie bieten auf Ihrer Internetseite auch Bücher zu dem Thema an. Können Sie eines davon besonders empfehlen? Hilft es, diese zu lesen oder schmerzt das nicht noch mehr?"
Antwort: Es gibt viele gute Bücher, am besten schauen Sie in einer Buchhandlung in ein paar hinein, um das richtige für Sie zu finden.
Es kann helfen, darüber zu lesen, weil Sie noch weitere Gedankenanstöße bekommen können, da in den Büchern oft die Erlebnisse anderer Frauen dargestellt werden. Sie können auf neue Gedanken kommen oder auch die Erfahrung machen, dass Sie mit vielem, das Sie erlebt haben nicht allein sind.
Aber Sie haben Recht: es kann den Schmerz auch noch einmal intensivieren.
 
 21:06:56  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16874: "ich hatte drei ganz frühe fehlgeburten, kein Herzschlag, am 04.01. dieses Jahr habe ich unseren Sohn Leon in der 21. Woche auf die Welt gebracht, er hatte keine chance. es war unser erster Versuch nach einer ansatzweise ausgeprägten Trennwand, die ich mir in tübingen weglasern liess. es sah alles so gut aus. kann das sein, dass meine vorgeschichte meinen Körper so beansprucht hat, dass es einfach nicht möglich ist, eine normale schwangerschaft zu erleben."
Antwort: Darauf kann ich Ihnen keine kompetente Antwort geben - und Ihr Gynäkologe Ihnen vielleicht auch nicht. Wie schon gesagt, es ist so schwer mit dem Verlust eines Babys zurecht zu kommen, besonders, wenn wir ihn uns nicht erklären können. Und das kommt leider so oft vor...
 
 21:08:21  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16882: "Guten Abend, ich hatte letztes Jahr eine FG im dritten Monat bzw. nachdem meine FÄ keinen Herzschlag feststellen konnte, wurde es mir in der Klinik entfernt. Seitdem habe ich sehr oft ein Ziehen im Unterleib. Mal sehr stark, mal sehr schwach - aber eigentlich permanent. Ist das normal? Zwischenblutungen sind auch nicht selten..."
Antwort: Bitte diese Frage Ihrem Gynäkologen stellen.
 
 21:10:00  Anette_Kersting  
Frage von Mirilein80: "ich würde gerne noch eine Frage wegen meinem Partner stellen: wo gibt es Hilfe für die Väter die von einer FG mitbetroffen sind?"
Antwort: Ich hatte ja vorhin unser Internettherapieprogramm erwähnt. Hier sind Väter ebenso herzlich willkommen wie Mütter - egal, ob ihre Partnerinnen auch an der Therapie teilnehmen oder nicht.
 
 21:13:09  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16874: "wir haben ihn nicht untersuchen lassen, weil er so gut entwickelt war, dass der arzt gesagt hat, es kommt nichts raus. wir haben leon am vergangenen Freitag nach hause geholt und ihn beerdigt. er gehört zu uns. Die plazenta haben die ärzte eingeschickt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es daran lag, sonst wäre er doch eher unterentwickelt gewesen, die ergebnisse sind noch nicht da"
Antwort: Ich möchte gern auf das verweisen, was ich weiter oben schon geschrieben habe. Es könnte sein, dass auch Sie keine Antwort auf die Frage nach dem Warum erhalten. Wenn man keine Antwort erhalten kann, kann es sehr quälend sein, immer wieder über diese Frage nachzudenken. Könnten Sie sich vorstellen, sich diese Frage irgendwann nicht mehr zu stellen, besondern wenn es keine Antwort gibt?
 
 21:16:37  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16875: "Ich hatte in den vergangenen 18 Monaten vier Fehlgeburten. Das ist schon schwer zu ertragen. Noch unerträglicher sind aber die Reaktionen meiner Umwelt. Ganz schlimm finde ich es, wenn man so tut als sei nichts passiert. Viele trauen sich nicht das Thema anzusprechen. Aber wir müssen es ertragen. Wie geht man damit am besten um?"
Antwort: Leider kann man sich nicht darauf verlassen, von einer einfühlsamen Umgebung begleitet zu werden. Könnten Sie sich vorstellen, Ihrer Umwelt klarer zu vermitteln, wonach Ihnen ist? Also z. B. zu sagen, wenn Sie nicht darüber sprechen möchten oder das Thema von sich aus anzusprechen (wenn Sie merken, dass jemand unsicher ist). Oder auch zu äußern, dass Sie es nicht so passend finden, darüber hinweg zu gehen.
 
 21:21:18  Anette_Kersting  
Frage von Gast_16878: "Und wie findet man sich damit ab, auf Kinder verzichten zu müssen (besonders, wenn alle um sich schwanger sind oder Kleinkinder haben)?"
Antwort: Das ist ein langer und schmerzlicher Prozess. Ohne Trauer geht es wohl nicht, vielleicht auch Selbstzweifeln, warum es bei Ihnen nicht klappt, aber bei den anderen. Bestimmt geht es auch um Gefühle der Wut und der Ohnmacht, so wenig Einfluss auf die Erfüllung des Wunsches zu haben. Letztlich besteht die große Aufgabe ja darin, trotzdem einen Weg zu finden, mit dem eigenen Leben (wenn auch nicht gleich, aber dann später) zufrieden zu sein.
Wie könnte denn Ihr Leben ohne Kind aussehen? Gibt es vielleicht etwas, was Sie sich sehr wünschen und auf das Sie mit Kind verzichten müssen? Was macht Ihnen Freude, füllt Sie aus? Diese und andere Fragen könnten dahin führen...
 
 21:25:58  Anette_Kersting  
Frage von : "ich habe jetzt freitag mein erstes therapiegespräch. ich weiß nicht, was ich ihm sagen soll. ich habe nicht nur 2 babys mit nur 19 jahren verloren, sondern auch meinen besten freund, einen guten freund und meine oma. habe oft zusammenbrüche. die in meiner maßnahme und in meiner familie verstehen nicht, warum ich es noch einmal versuchen will und momentan mich zu schwach für arbeiten finde! Wie soll ich damit umgehen?"
Antwort: Ich frage meine Patientinnen und Patienten am Anfang immer, warum Sie zu mir kommen und
empfehle Ihnen, wenn sie nicht so genau wissen, wie sie anfangen sollen, einfach zu sagen, was ihnen gerade einfällt. Dann stelle ich Fragen und ganz schnell sind wir in einem intensiven Therapiegespräch.
Vermutlich macht Ihr Therapeut es genauso...
 
 21:27:04  Chat_Moderatorin  Vielen Dank, Frau Kersting. Leider geht der Chat nun schon dem Ende zu. Kurz vor Schluss möchte ich Sie bitten ein kurzes Resümee zu schließen. Oder haben Sie vielleicht noch Anregungen /Tipps..., die Sie den Chatteilnehmerinnen mit auf den Weg geben möchten? 
 21:30:06  Anette_Kersting  Ich kann alles, was die Chatteilnehmerinnen berichtet haben, sehr gut verstehen. Es gibt so viele Fragen und auch nicht auf jede Frage eine befriedigende Antwort. Und die Zeit reicht schon überhaupt nicht... Wir bieten einmal wöchentlich, und zwar immer dienstags von 10 bis 11 Uhr im Rahmen eines Einzelchats eine "offene Sprechstunde" an. Wenn Sie in dieser Zeit Termine belegen, können Sie uns direkt Fragen stellen. Dieses Angebot kann für Sie interessant sein, wenn Sie z.B. spezielle Fragen zu unserem Therapieangebot oder die begleitende wissenschaftliche Evaluation haben. Ebenso herzlich sind Sie eingeladen, wenn Sie allgemeine Fragen haben, die sich auf den Verlust eines Kindes in der Schwangerschaft beziehen. Um einen solchen Termin zu belegen, müssen Sie sich jedoch zunächst mit einem Benutzernamen anmelden. 
 21:31:59  Chat_Moderatorin  Hier vielleicht nochmal der Link zur Internettherapie für alle, die Interesse haben im Nachgang des Chats weiter Kontakt zu pflegen www.internettherapie-trauernde-eltern.de 
 21:33:09  Chat_Moderatorin  Herzlichen Dank Frau Kersting, dass Sie sich die Zeit genommen haben! Ich wünsche Ihnen und allen Chatteilnehmerinnen eine gute Nacht und viel Gesundheit und Glück! 
 21:33:20  Chat_Moderatorin  Schlafen Sie gut!